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Rechtliche Verantwortung für andere übernehmen

15.10.2014 Brilon.

Wenn Krankheit, Sucht oder eine Behinderung das Leben stark einschränken, kann ein rechtlicher Betreuer helfen und sich um die Finanzen unc Co. kümmern. Die rechtlichen Betreuungen nehmen zu - allerdings gibt es immer weniger Menschen, die ehrenamtlich Verantwortung für einen anderen Menschen übernehmen. Der Sozialdienst katholischer Frauen Brilon bietet jetzt eine Schulung für die Ehrenamtler an.

 

Wer regelt Überweisungen, Mietverträge oder Arztbesuche, wenn jemand selbst es nicht mehr kann? Wenn das nicht bereits im Vorfeld geklärt wurde, kann das Amtsgericht eine rechtliche Betreuung anordnen. Das wird immer öfter nötig - zugleich sinkt die Zahl der ehrenamtlichen rechtlichen Betreuer. Der Sozialdienst kath. Frauen Brilon bietet zum ersten Mal eine qualifizierte Schulung für ehrenamtliche Betreuer an. Geschäftsführerin Barbara Heusipp spricht im Interview über die Situation im Altkreis, Hemmschwellen und persönliche Unterstützung.

Frage: In welchen Situationen übernehmen andere die Betreuung für jemanden?

Barbara Heuspipp: In Deutschland stehen etwa 1,2 Millionen Menschen unter Rechtlicher Betreuung. Aufgrund ihres Alters, einer Behinderung oder einer Krankheit sind sie verhindert, ihren Alltag alleine zu regeln. Die Zahl der Menschen mit einer psychischen Erkrankung steigt ebenso wie die Suchterkrankungen. Wieder anderen wird durch eine Behinderung erschwert, ihr Leben so zu gestalten, wie sie es eigentlich möchten. Auch die Zahl derer, die im Alter geistig und körperlich abbauen, erhöht sich in den letzten Jahren. Sie haben sich zurückgezogen und nehmen kaum noch am gesellschaftlichen Leben teil. Die rechtliche Betreuung ermöglicht diesen Menschen trotz aller Einschränkungen ein selbstbestimmtes Leben unter Achtung ihrer Grundrechte.Wie ist die Situation im Altkreis Brilon?Die meisten Betreuungen werden im Altkreis Brilon von ehrenamtlichen Betreuern geführt (ca. 57 Prozent). Von uns werden 170 Betreuer begleitet. In den meisten Fällen werden Familienangehörige durch das Gericht mit dieser Aufgabe betraut. Aber immer mehr Menschen haben keinen Verwandten, der die Aufgabe übernimmt - weil sie zu weit weg wohnen oder damit überfordert sind. Leider gibt es nur wenige Menschen, die ehrenamtlicher Betreuer für einen fremden Menschen werden. In den Ballungszentren werden heute schon die meisten Betreuungen hauptberuflich ausgeübt. Im Sauerland ist das soziale Netz noch etwas dichter. Es erklärt sich eher jemand bereit, Verantwortung für einen anderen Menschen zu übernehmen.Welche Aufgaben hat der ehrenamtliche Betreuer?Das Amtsgericht legt anhand der Aufgabenkreise fest, für welche Bereiche der rechtliche Betreuer zuständig ist. In dem erforderlichen Umfang soll eine persönliche Betreuung stattfinden. Dies umfasst die Beratung und Unterstützung, aber auch – wenn nötig – die tatsächliche Stellvertretung. Ziel ist es, dass alle Menschen rechts- und handlungsfähig bleiben – unabhängig von Krankheit, Behinderung oder Alter. Die Einrichtung einer rechtlichen Betreuung ist dennoch immer auch ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte. Die Aufgabe des Betreuers ist dabei aber die Sicherung und Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechtes des Betreuten. Er muss sich am Wohl und an den Wünschen seines Betreuten orientieren.Warum bietet der Sozialdienst diese neue Schulung an?Wir haben als Betreuungsverein das großes Anliegen, neue ehrenamtliche Betreuer zu gewinnen. Mit der Schulung wollen wir Interesse wecken und die Hemmschwelle vor dem Ehrenamt abbauen. Außerdem können sich andere Betreuer kennen lernen und sich austauschen.Was wird vermittelt?Das Grundwissen rund um die rechtliche Betreuung, dazu gehört: Einrichtung einer Betreuung, Aufgabenkreise, Berichtspflicht gegenüber dem Amtsgericht, Zuständigkeiten etc. Die Aufgaben werden anhand von Beispielen aus der Praxis anschaulich erläutert. Zusätzlich werden Arbeitshilfen und Informationsmaterial zur Verfügung gestellt.Was ist das Schwierigste an diesem Ehrenamt und wie kann die Schulung helfen?Aufgrund der persönlichen Bestellung durch das Amtsgericht hat man eine hohe Verantwortung und wird mit Lebensschicksalen konfrontiert. Unsere Schulung kann helfen, Ängste zu nehmen, indem sie die rechtlichen Grundlagen vermittelt, an konkreten Fallbeispielen Lösungen aufzeigt und uns als Betreuungsverein als verlässlichen Partner für Unterstützungen und Hilfestellungen im Betreuungsalltag vorstellt.

Katja Voss

 

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